Cutco, ein amerikanisches Besteckunternehmen, das 1949 gegründet wurde, baute sein Geschäft auf einem Direktvertriebsmodell auf, das über seine Tochtergesellschaft Vector Marketing betrieben wurde. Das Modell zielte auf eine besonders verletzliche Bevölkerungsgruppe ab: Highschool- und College-Studenten. Rekrutierer nutzten Campus-Jobbörsen und Online-Anzeigen, die „15–17 US-Dollar Grundlohn pro Stunde“ und „flexible Arbeitszeiten“ versprachen. Die Realität sah anders aus: Die Studenten wurden gebeten, ein Starterkit für über 175 US-Dollar zu kaufen, ihre Freunde und Familie anzuwerben und 30-Dollar-Steakmesser bei Vorführungen in Privatwohnungen zu verkaufen. Die meisten verdienten nach Abzug der Ausgaben weit weniger als den Mindestlohn.

Kritiker, darunter die Los Angeles Times, beschuldigten Vector Marketing, ein Pyramidensystem zu betreiben. Nach Vectors Modell verdienten Verkäufer Provisionen auf ihre eigenen Verkäufe und Boni für die Anwerbung neuer Verkäufer – die ebenfalls Starterkits kaufen mussten. Die LA Times stellte fest, dass Vector die FTC-Definition eines Multi-Level-Marketing-Unternehmens erfüllte. Vector erschien auf Hawaiis Liste der staatlich autorisierten MLM-Unternehmen. Das Unternehmen sah sich zahlreichen Klagen wegen seiner Vergütungsstruktur, seiner Einstufung der Verkäufer als unabhängige Auftragnehmer und seiner irreführenden Rekrutierungspraktiken gegenüber.

Das Geschäftsmodell überstand Jahrzehnte von Klagen und Kritik. Vector schaffte die Kit-Kaution 2011 unter rechtlichem Druck ab, verlangte von neuen Rekruten aber weiterhin den Kauf von Produktmustern. Die Verteidigung des Unternehmens war immer dieselbe: Es sei ein einstufiges Direktvertriebsunternehmen, kein MLM – selbst während seine Vergütung die Rekrutierung belohnte. Für die Tausenden jungen Vector-Verkäufer war Cutcos Modell eine Lektion darin, wie ein Unternehmen profitabel bleibt, indem es die Vertriebskosten auf die Verkäufer selbst verlagert.

Cutco verlagerte die Vertriebskosten über Kit-Kautionen und Rekrutierungsboni auf die Studenten, sodass der eigentliche Kunde der Verkäufer war, nicht der Messerkäufer.

Vector Marketing versprach Studenten 15–17 US-Dollar pro Stunde, ließ sie dann ein Kit für über 175 US-Dollar kaufen und an Freunde verkaufen – die meisten verdienten weit unter dem Mindestlohn.

Kritiker, darunter die LA Times, sagten, Vector erfülle die FTC-Definition eines Multi-Level-Marketing-/Pyramidensystems: Verkäufer verdienten mehr mit der Anwerbung neuer Verkäufer als mit dem Verkauf von Messern.

Vector sah sich zahlreichen Klagen wegen seiner Vergütungsstruktur und der Behandlung der Verkäufer als unabhängige Auftragnehmer gegenüber. Es war im staatlich autorisierten MLM-Register von Hawaii aufgeführt.

Das Modell verlagerte nahezu alle Vertriebskosten auf junge Verkäufer – Schulung, Marketingmaterialien, Produktmuster –, während Cutco sowohl aus Kit-Verkäufen als auch aus Messerverkäufen Umsatz erzielte.

Wenn das Vertriebsmodell eines Unternehmens davon abhängt, die Verkäuferschaft anzuwerben, statt das Produkt zu verkaufen, ist der Kunde nicht die Person, die die Messer kauft – sondern die Person, die sie verkauft.

Vector Marketing war in den 2010er und 2020er Jahren weiterhin tätig. Nach einer Klage wurde die Kit-Kaution 2011 abgeschafft. Das Unternehmen wurde in die Listen mehrerer Bundesstaaten von Unternehmen aufgenommen, die wegen irreführender Rekrutierung untersucht wurden. Das BBB erhielt Tausende von Beschwerden. Cutco blieb profitabel, mit geschätzten über 200 Mio. US-Dollar Jahresumsatz über Vectors Verkäuferschaft. Der Fall wurde zu einem Lehrbuchbeispiel für die Grenze zwischen Direktvertrieb und Pyramidensystemen – und dafür, wie die Ausrichtung auf junge Arbeitskräfte ein umstrittenes Modell über Jahrzehnte aufrechterhalten kann.

DEN BELEGEN FOLGEN

Die Quellen

  1. Wikipedia — Cutco (sells cutlery through directly selling by subsidiary Vector Marketing; accusations of MLM; LA Times says it meets FTC definition; Hawaii state MLM registry; lawsuits over pay structure and independent contractor classification) en.wikipedia.org
  2. Wikipedia — Vector Marketing (dedicated page covers MLM/pyramid scheme controversy; Hawaii MLM registry; LA Times investigation; numerous lawsuits) en.wikipedia.org
  3. Los Angeles Times — Beware of this 'important opportunity' for job-seeking students (23 Jun 2020; Vector's structure is 'an exact match for the FTC's definition of a multilevel marketing company'; Arizona AG action 1990 and Wisconsin action; $13M settlement 2011 and $6.75M settlement 2016; Cutco claims $200M+ annual sales; recruitment letters mailed to high-schoolers) latimes.com
  4. Santa Barbara Independent — The Company That Cuts Both Ways (2 Aug 2011; Harris v. Vector Marketing $13M settlement covering California reps Oct 2004–Apr 2011 over unpaid training and the deposit; $135 demonstration-kit deposit eliminated Feb 2011; $16 per failed appointment and 10–30% commission; reps are independent contractors; ~60,000 students contracted per year) independent.com
  5. The Daily Beast — Cutco Probably Asked You to Sell Knives. Now It's Getting Sued. (18 Oct 2017; class action by a division manager alleging independent-contractor misclassification and denied overtime; $6.75M unpaid-training settlement Feb 2017; refundable knife-set deposit required of recruits until 2011; Vector spokesman: reps are not required to purchase a sample set) thedailybeast.com
  6. Hawaii Department of Taxation (Tier 1) — State Authorized Multi-Level Marketing Agreements (Vector Marketing Corporation listed with an executed agreement dated 12 Apr 2016 under HRS §237-9(e); a tax-collection agreement registry, not a regulatory endorsement) tax.hawaii.gov