Im Jahr 2003 gewann Areva – der französische staatliche Nukleartechnik-Champion – einen Vertrag zum Bau des weltweit ersten EPR (European Pressurised Water Reactor) in Olkiluoto, Finnland. Der Käufer, Teollisuuden Voima (TVO), bestand auf einem Festpreisvertrag. Areva stimmte zu und wettete darauf, dass seine Erfahrung aus dem Bau von 60 Reaktoren weltweit es dem Unternehmen ermöglichen würde, das Risiko eines Designs der ersten Art zu tragen.

Die Wette war falsch. Das EPR-Design war weitaus komplexer als alles, was Areva zuvor gebaut hatte, mit neuen Sicherheitssystemen, dickeren Betonwänden und unerprobten Bauverfahren. Das Projekt geriet bereits im ersten Jahr in Verzug. Bis 2009 – dem ursprünglichen Fertigstellungstermin – war der Reaktor noch immer ein Loch im Boden. Designänderungen, Streitigkeiten über die Schweißqualität und von der Aufsichtsbehörde angeordnete Nacharbeiten häuften sich auf einem Zeitplan, der nie realistisch gewesen war.

Die Kosten stiegen von 3 Milliarden € auf etwa 11 Milliarden €. Areva verlor allein bei diesem Projekt 5,5 Milliarden €. TVO beantragte ein Schiedsverfahren und erhielt eine Ausgleichszahlung von 450 Millionen €. Die finanzielle Belastung war existenzbedrohend: Areva meldete 2016 einen Rekordverlust von 4,8 Milliarden €, und die französische Regierung war gezwungen, das Unternehmen umzustrukturieren. Areva wurde in zwei Einheiten aufgeteilt, sein Reaktorgeschäft (Framatome) an EDF verkauft und seine Brennstoffsparte in Orano umbenannt. Das Unternehmen, das jahrzehntelang eine Säule der französischen Nuklearindustrie gewesen war, wurde faktisch zerschlagen.

Olkiluoto 3 nahm schließlich im Mai 2023 den regulären kommerziellen Betrieb auf – 14 Jahre zu spät. Es war das teuerste Kraftwerk, das je pro Megawatt gebaut wurde, und es hatte das Unternehmen zerstört, das es gebaut hatte.

Areva unterzeichnete einen Festpreisvertrag über 3 Mrd. € für Olkiluoto 3, doch die Komplexität und die Verzögerungen des Reaktors ließen die Kosten auf 11 Mrd. € anschwellen, was einen Verlust von 5,5 Mrd. € und die Zerschlagung des Unternehmens zur Folge hatte.

Areva stimmte einem Festpreisvertrag für einen Reaktor der ersten Art zu und übernahm damit das gesamte Risiko eines unerprobten Designs

Die Komplexität des EPR wurde unterschätzt – neue Sicherheitssysteme, dickere Wände und unerprobte Bauverfahren führten zu sich kaskadierenden Verzögerungen

Areva hatte keine Erfahrung mit den Standards der finnischen Nuklearaufsichtsbehörde, die umfangreiche Nacharbeiten an bereits genehmigten Entwürfen erforderte

Das Unternehmen hatte keine Eskalationsklausel und keinen Mechanismus zur Kostenteilung, sodass jede Verzögerung und jede Umplanung direkt zu seinem eigenen Verlust beitrug

Das Management versäumte es, das Projekt zu stoppen oder den Vertrag neu zu verhandeln, als die ersten größeren Verzögerungen auftraten, und vergrößerte so die Bindung

Ein Festpreisvertrag für ein Ingenieurprojekt der ersten Art überträgt das gesamte Risiko des Unbekannten auf den Erbauer – und kein einzelnes Unternehmen kann dieses Risiko tragen.

DEN BELEGEN FOLGEN

Die Quellen

  1. Olkiluoto Nuclear Power Plant — Wikipedia en.wikipedia.org
  2. HS: Olkiluoto 3 has been a financial catastrophe for Areva, Siemens — Helsinki Times helsinkitimes.fi
  3. Expert analysis in €450M arbitration settlement for Olkiluoto 3 — Bates White bateswhite.com