Tencent ist das größte Spieleunternehmen der Welt, hält Beteiligungen an Riot Games, Epic Games, Roblox und Discord und erzielte im Vorjahr mehr als 88 Milliarden US-Dollar Umsatz. Nach dem ersten Umsatzrückgang der Firmengeschichte baute das Unternehmen rund 5 % seiner Belegschaft ab – etwa 5.000 Menschen. Am 15. September 2022 erreichten die Kürzungen Fanbyte, die Spielepublikation des Konzerns, und erfassten nahezu die gesamte Redaktion.
Schon der Ablauf löste Empörung aus: Die Mitarbeiter wurden über mehrere Stunden hinweg einzeln entlassen und sahen mit an, wie Kollegen auf Twitter von ihrer Jobsuche berichteten, während sie selbst auf die Nachricht über ihr eigenes Schicksal warteten. Zu den Entlassenen gehörten laut Merritt K, einer der letzten verbliebenen Mitarbeiter, der Chefredakteur, der Medienleiter, der Features-Redakteur, der Social-Media-Redakteur, der Nachrichtenredakteur, der Grafikdesigner, der Podcast-Produzent und mehrere Autoren. Tencent reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.
Der letzte Dreh: Die entlassene Social-Media-Managerin hatte noch immer Zugriff auf das Konto. Stundenlang stand in der Instagram-Biografie von Fanbyte unter dem Anzeigenamen „forgot the keys?“ („Schlüssel vergessen?“): „Tencent made $35 billion in net income last year snd laid off almost every member of child company Fanbyte! Please support the staff elsewhere :)“ („Tencent erzielte im vergangenen Jahr 35 Milliarden Dollar Nettogewinn und entließ fast jedes Mitglied der Tochterfirma Fanbyte! Bitte unterstützt die Mitarbeiter anderswo :)“).
Der TechCrunch-Bericht stellte den Vorfall der Rechnung gegenüber: eine gute Publikation auszunehmen, um „ein paar hunderttausend Dollar pro Jahr“ zu sparen – ein Bruchteil eines Bruchteils eines Prozents von Tencents Nettogewinn – und fragte, ob die größten Medienunternehmen damit jemals aufhören würden.
Fanbyte verlor den Chefredakteur, die Leiter der Bereiche Medien, Features und Nachrichten, einen Social-Media-Redakteur, einen Designer, einen Podcast-Produzenten und mehrere Autoren – nahezu die gesamte Belegschaft.
Die Spielemedien wirkten neben Tencents 88 Milliarden US-Dollar Umsatz wie ein Randgeschäft, daher wurden ihre Kosten gesenkt, obwohl die absolute Ersparnis winzig war.
Der langwierige Prozess der Einzelentlassungen maximierte im Vergleich zu einer einzigen Ankündigung das Leid und die öffentliche Empörung.
Neben der Strategie versagte auch die operative Sorgfalt: Die Social-Media-Managerin wurde entlassen, bevor ihr Kontozugriff entzogen wurde.
Ein kleines, beliebtes Team aus einem 88-Milliarden-Dollar-Unternehmen zu streichen, spart Kleingeld und kostet den Ruf – und man sollte den Kontozugriff entziehen, bevor man die Social-Media-Managerin entlässt.
Die Instagram-Aktion wurde zum Sinnbild der Geschichte und in den sozialen Medien vielfach als Screenshot geteilt. TechCrunch argumentierte, die Zukunft der Spielemedien liege bei unabhängigen Publikationen, und Fanbyte – eine Seite mit treuer Leserschaft – blieb ohne die meisten Menschen, die sie ausgemacht hatten.
DEN BELEGEN FOLGEN
Die Quellen
- Tencent lays off nearly all of staff at its gaming site Fanbyte TechCrunch · techcrunch.com ·