Im August 2020, einen Monat vor dem für den 11. September geplanten Börsendebüt, änderte Kakao Games still und leise den koreanischen Untertitel einer Zeile einer weiblichen Figur in seinem Erfolgs-Mobilegame Guardian Tales von „You whore“ zu „You clown“ – während die englische Version unverändert blieb. Das Unternehmen erklärte später, die Änderung habe vorweggenommen, dass das Original weibliche Spielerinnen und Feministinnen provozieren könnte. Stattdessen revoltierten männliche Gamer, nannten es überzogene „Vorsichtsmaßnahmen“, und eine Boykottbewegung namens „Femi Hunting“ breitete sich in Gaming-Communities aus.
Der Schaden zeigte sich noch am selben Tag in den Zahlen: Guardian Tales lag am Montag laut App Annie auf dem fünften Platz der Umsätze bei Google Play und war bis Mitternacht auf den 24. Platz gefallen. Die Google-Play-Bewertung des Spiels – vor der Kontroverse 4,9 von 5 bei mehr als 10.000 Rezensionen – fiel drastisch, als Fans posteten, sie hätten aufgehört zu spielen. „Es wird für Guardian Tales schwer werden, sich von dem Vorfall zu erholen“, schrieb ein Kommentator.
Kakao Games, das Marketing und Vertrieb verantwortet, während der US-Entwickler Kong Studios die Software baute, reagierte mit Personalmaßnahmen: Mehrere Mitarbeiter von Guardian Tales Korea wurden umbesetzt und ersetzt. „Die koreanische Guardian-Tales-Abteilung hat viel Misstrauen und Enttäuschung unter den Nutzern verursacht … deshalb haben wir beschlossen, unsere derzeitigen Guardian-Tales-Mitarbeiter in Korea zu ersetzen“, sagte Betriebsleiter Lee Shi-woo in einer Erklärung. Die südkoreanische Nationale Menschenrechtskommission warnte separat, dass Spieleunternehmen, die solchem Druck nachgeben und Mitarbeiter benachteiligen, um die Lage zu lösen, Menschenrechte verletzen.
Der Umsatzrang bei Google Play fiel an einem Tag vom 5. auf den 24. Platz (App Annie); die Bewertung sank von 4,9/5 bei mehr als 10.000 Rezensionen; Korea-Mitarbeiter wurden Wochen vor dem Börsengang am 11. September ersetzt.
Die Änderung erfolgte still und einseitig – nur koreanische Untertitel, Englisch unangetastet –, sodass Spieler sie als Kapitulation vor dem „radikalen Feminismus“ statt als Standardsentscheidung lasen.
Der Boykott richtete sich gegen das Unternehmen, nicht gegen die Zeile: Review-Bombing drückte eine 4,9-Sterne-Bewertung, die auf mehr als 10.000 Rezensionen beruhte, binnen Tagen nach unten.
Die Umsätze fielen sofort – laut App Annie an einem Tag vom fünften auf den 24. Platz bei Google Play –, wodurch eine Lokalisierungsentscheidung zu einem Umsatzereignis wurde.
Es geschah einen Monat vor dem Börsengang des Unternehmens am 11. September und verschärfte den Reputationsschaden zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Die Mitarbeiter trugen die Folgen: Korea-Mitarbeiter wurden ersetzt, und die nationale Menschenrechtskommission wies darauf hin, dass es selbst eine Menschenrechtsverletzung ist, Mitarbeiter als Sündenböcke zu opfern, um Druck zu besänftigen.
Still, für ein Publikum und ohne Erklärung vorgenommene Änderungen wirken wie Kapitulation: Die Spieler, die sich angegriffen fühlten, bestrafen die Plattform, nicht die Zeile – kurz vor einem Börsengang.
Kakao Games ersetzte seine koreanischen Guardian-Tales-Mitarbeiter, wobei Lee Shi-woo einräumte, es werde schwierig sein, das Vertrauen der Nutzer zurückzugewinnen. Die Boykottbewegung „Femi Hunting“ breitete sich unter männlichen Gamern weiter aus, und das Unternehmen blieb unter Beschuss, als sich seine Börsennotierung am 11. September 2020 näherte.
DEN BELEGEN FOLGEN
Die Quellen
- Kakao Games under fire over changes to controversial game dialogue The Korea Times · koreatimes.co.kr ·