Telenor war eines der wenigen westlichen Unternehmen, die nach dem Ende der Militärdiktatur auf Myanmar setzten, und entwickelte sich zu einem der größten ausländischen Investoren des Landes; Myanmar machte 2020 7 % der Konzerngewinne aus.
Nach dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 brach das operative Umfeld zusammen: Am 15. März ordnete die Junta eine landesweite Abschaltung mobiler Daten an und verhängte ein Ausreiseverbot für leitende Telekommanager, das nur mit Genehmigung aufgehoben werden konnte, während sie die Betreiber unter Druck setzte, die Abhörtechnologie vollständig umzusetzen, die es den Behörden ermöglichen würde, Nutzer zu überwachen.
Im Mai 2021 verbuchte Telenor einen Verlust von 6,5 Milliarden Kronen (738 Mio. USD) auf das Geschäft, und im Juli verkaufte das Unternehmen seine Myanmar-Aktivitäten für 105 Mio. USD an die libanesische M1 Group. CEO Sigve Brekke nannte drei Gründe für den Verkauf: „Es geht um die Sicherheit unserer Mitarbeiter, aber auch um die regulatorischen Bedingungen und auch darum, dass eine gute Compliance gegeben ist.“
Der Käufer geriet bei Aktivisten in die Kritik, die angaben, sie hätten sich auf Telenor als den einen Betreiber verlassen, der die Menschenrechte respektierte – die Alternativen waren der staatlich gestützte MPT und Mytel, das teilweise einem mit dem Militär verbundenen Unternehmen gehört. Die M1 Group war ein Großinvestor bei der Turmgesellschaft Irrawaddy Green Towers, die einen Master-Lease-Vertrag mit dem militärgestützten Mytel hält.
Telenor verbuchte im Mai 2021 einen Verlust von 6,5 Milliarden Kronen (738 Mio. USD) und verkaufte dann das gesamte Myanmar-Geschäft für 105 Mio. USD; das Land hatte 7 % der Konzerngewinne beigetragen.
Die Expansionslogik von Telenor beruhte auf einer politischen Öffnung – einem Land, das sich aus der Diktatur löste –, die ein einziger Putsch rückgängig machen konnte und auch tatsächlich rückgängig machte.
Als einer von nur zwei ausländischen Betreibern spürte Telenor den Druck der Junta unmittelbar: Datenabschaltungen, Ausreiseverbote für Führungskräfte und Abhöranforderungen.
Der Verkauf in eine Krise hinein bedeutete, einen Notpreis akzeptieren zu müssen; der Analyst von Danske Bank bezeichnete den Preis von 105 Mio. USD angesichts des Beitrags Myanmars zu den Gewinnen als niedrig.
Die Wahl des Käufers tauschte Reputationsrisiko gegen schnellen Ausstieg: Die Turminteressen von M1 waren mit dem militärgestützten Betreiber verflochten, den die Aktivisten fürchteten.
Eine Marktwette kann ihre Politik überdauern: Telenor kalkulierte das Wachstum Myanmars ein, nicht aber die Dauerhaftigkeit seiner Öffnung – und als der Putsch kam, blieb nur noch die Entscheidung, wie billig und wie sauber man sich zurückzog.
Investoren mit Menschenrechtsmandaten unterstützten den Rückzug – DNB Asset Management, mit einem Anteil von 1,51 % sechstgrößter Anteilseigner von Telenor, erklärte, es sei positiv, dass das Unternehmen „bei seinen Grundprinzipien keine Kompromisse eingegangen“ sei. Aktivisten warnten, die Nutzer des Netzes hätten den Betreiber verloren, dem sie am meisten vertrauten; die Telenor-Aktie blieb am Tag der Ankündigung unverändert.
DEN BELEGEN FOLGEN
Die Quellen
- Telenor quits Myanmar with $105 million sale to Lebanon's M1 Group Euronews (Reuters wire) · euronews.com ·