Bevor man ein Prestigeprogramm auf Schulden finanziert, sollte man fragen, was die Institution in einem schlechten Jahr für ihre Gläubiger wert ist. Einaudis Name überlebte die Krise; die Eigentümerschaft nicht – drei Kommissare, drei Eigentümer und ein Gründer, der blieb, um davon zu erzählen.
Giulio Einaudi Editore wurde am 15. November 1933 in Turin von dem einundzwanzigjährigen Giulio Einaudi und seinen Mitschülern des Liceo d'Azeglio gegründet und wurde zum Haus von Pavese und Calvino, von Natalia Ginzburg und Primo Levi, von Bobbio und Sciascia – das Straußen-Emblem, der Wahlspruch Spiritus durissima coquit: der Geist verdaut die härtesten Dinge. Das Prestige war echt, und ebenso der Kredit, auf dem es lief: Bereits 1954 trug die Firma Verbindlichkeiten von 1.750 Millionen Lire, und 1957 wurde den Aktionären mitgeteilt, dass ihre Schulden 1,3 Milliarden erreichten.
Das Ende kam durch die grandi opere – mehrbändige Werke hoher Gelehrsamkeit, aufgebaut auf Finanzpolitiken, für die das Haus nie ausgerüstet war. Die Reihe verschärfte die ohnehin schwere Last aus Schulden und Bankzinsen, bis in dem veränderten Kontext der frühen 1980er Jahre die alte Politik des kalkulierten Risikos nicht mehr funktionierte und das eintrat, was Treccani einen wahren finanziellen Zusammenbruch nennt – einen, der auch das Vermögen der Familie erfasste. Das Jahr 1983 war das fünfzigste Jahr des Hauses, das Jahr seines historischen Katalogs und das Jahr der Krise: Am 29. Dezember erklärte das Tribunal von Turin Giulio Einaudi Editore für zahlungsunfähig.
Am 25. Januar 1984 stellte ein Dekret des Industrieministers das Haus unter amministrazione straordinaria, das staatliche Verfahren für große Unternehmen in der Krise; außerordentlicher Kommissar war Giuseppe Rossotto, mit Nachfolgern 1997 und 2003 – drei Kommissare über zwei Jahrzehnte. Zum ersten Mal seit der Gründung stand Giulio Einaudi nicht mehr an der Spitze seines Hauses; er wechselte zum externen Berater und kehrte 1988 als Präsident zurück. Ab 1986 lief eine lange Reihe von Verhandlungen – Electa erwarb das Haus 1989, Elemond 1991, und Ende 1994 übernahm die Mondadori-Gruppe es.
Die Geschichte überlebt in zwei Erzählungen der Menschen, die sie erlebten. Die eigenen Memoiren des Gründers, Frammenti di memoria, reichen von der Geburt des Struzzo bis zur Krise der achtziger Jahre; und dreißig Jahre später sammelten zwei seiner Lektoren Una stanza all'Einaudi – ein Zimmer bei Einaudi –, um festzuhalten, was das Haus gewesen war. Ihr Rahmen ist das Urteil: Die Krise von 1983 führte das Haus in die amministrazione straordinaria und damit tatsächlich zum Scheitern seines großartigen politisch-kulturellen Projekts. Die Kosten hatten keine Zahl in Lire; es war die Unabhängigkeit von Italiens großem Verlag.
Das Gericht erklärte das Unternehmen 1983 für zahlungsunfähig, erzwang die staatliche Verwaltung und den Verkauf an Mondadori bis 1994 und kostete das Haus seine Unabhängigkeit.
Die grandi opere waren gelehrte Triumphe, aufgebaut auf Kredit, den das Haus nicht bedienen konnte – vorausbezahltes Prestige, zu Bankzinsen.
Das Haus hatte seit seinen frühen Jahren von Schulden gelebt; als sich der Kontext änderte, funktionierte die Politik des kalkulierten Risikos nicht mehr, und das Familienvermögen war exponiert.
Die Rettung war eine langsame Kapitulation: staatliche Verwaltung, dann Electa, dann Elemond, dann Mondadori – der Name überlebte unter einem anderen Dach.
Auf Kredit gekauftes Prestige ist gemietet, bis die Bank es zurückruft. Einaudis große Werke machten das Haus zur Institution Italiens, dann zu seinem Mündel – der Gründer blieb, um der Verwaltung vorzustehen.
DEN BELEGEN FOLGEN
Die Quellen
- Il Sole 24 Ore (Econopoly) — Giulio Einaudi Editore (2 Feb 2020: 'il 29 dicembre 1983 il tribunale di Torino dichiarò lo stato di insolvenza'; decree of 25 Jan 1984 placing the house in amministrazione straordinaria; debts already of 1,750m lire in 1954 and 1.3bn in 1957; Elemond bought the majority; end-1994 the Elemond shareholders sold to Mondadori) econopoly.ilsole24ore.com
- Treccani, Dizionario Biografico — Giulio Einaudi (the 'grandi opere' founded on policies 'per le quali la Casa Einaudi non era predisposta e attrezzata'; 'un vero e proprio tracollo finanziario (che avrebbe coinvolto i beni di famiglia)'; commissariamento 1984 under Giuseppe Rossotto, renewed 1985; Einaudi consultant, then president again 1988; Electa 1989, Elemond 1991) treccani.it
- Gazzetta Ufficiale — decree of 25 January 1984 (primary source: the S.p.A. Giulio Einaudi Editore 'posta in amministrazione straordinaria'; extraordinary commissioner Giuseppe Rossotto, replaced 18 Feb 1997 by Osvaldo Paglietti, then 10 March 2003 by Pier Vittorio Vietti) gazzettaufficiale.it
- Wikipedia (it) — Giulio Einaudi Editore (founded 15 Nov 1933 in Turin; 1983 as 'anno chiave' — fiftieth anniversary, historical catalogue, financial crisis; the house of Pavese, Calvino, Levi, Ginzburg, Bobbio; the Struzzo and its motto; 'Nel 1994, Giulio Einaudi Editore fu acquistata dal Gruppo Mondadori') it.wikipedia.org
- Quodlibet — Una stanza all'Einaudi by Luca Baranelli & Francesco Ciafaloni (the editors' oral history, framed 'A 30 esatti dalla crisi del 1983, che portò l'Einaudi all'amministrazione straordinaria e quindi, di fatto, al fallimento del suo grandioso progetto politico-culturale') quodlibet.it
- Goodreads — Frammenti di memoria by Giulio Einaudi (the founder's own memoir: 'Dalla nascita dello Struzzo fino alla crisi negli anni ottanta, Einaudi racconta per brevi frammenti...') goodreads.com