Im Jahr 1907 versuchte Leo Baekeland, ein in Belgien geborener Chemiker in Yonkers, New York, einen synthetischen Ersatz für Schellack zu schaffen – ein natürliches Harz aus dem Sekret von Lackschildläusen, das teuer und nur begrenzt verfügbar war. Er hatte bereits das Fotopapier Velox erfunden, das er für 1 Million Dollar an George Eastman verkaufte, und verwendete den Erlös zur Finanzierung seines Heimatlabors.
Baekeland stellte zunächst ein lösliches Phenol-Formaldehyd-Harz namens Novolak her, das jedoch kein kommerzieller Erfolg war. Die Reaktion zwischen Phenol und Formaldehyd war seit 1872 bekannt, aber das Erhitzen bei Atmosphärendruck führte zu heftigem Schäumen und einem porösen, wertlosen Material. Baekelands Durchbruch war der Bakelizer – ein eiförmiger Druckbehälter, der die Mischung bei 150 °C unter Druck erhitzte, das Schäumen unterdrückte und einen harten, unschmelzbaren, unlöslichen Feststoff ergab.
Er reichte sein Patent am 13. Juli 1907 ein und kündigte die Erfindung im Februar 1909 vor der American Chemical Society an. Bakelit wurde als „der Werkstoff der tausend Verwendungen“ vermarktet. Es war der erste vollständig synthetische Kunststoff – hergestellt aus synthetischen Bestandteilen, nicht aus modifizierten natürlichen Materialien. Er war nicht leitfähig, hitzebeständig und konnte in jede Form gegossen werden.
Bakelit wurde im 20. Jahrhundert allgegenwärtig: elektrische Isolatoren, Radiogehäuse, Telefongehäuse, Schmuck, Knöpfe und Küchengeräte. Baekeland gründete 1910 die General Bakelite Company, die 1922 in die Bakelite Corporation einging und 1939 an Union Carbide verkauft wurde. Ein gescheiterter Schellack-Ersatz wurde zum Werkstoff, der das Kunststoffzeitalter definierte.
Er baute den Bakelizer, einen Druckbehälter, der Phenol und Formaldehyd bei 150 °C unter Druck erhitzte und das Schäumen unterdrückte, um den ersten vollständig synthetischen Kunststoff zu erhalten.
Baekeland versuchte, einen Schellack-Ersatz herzustellen, und erhielt zunächst ein nutzloses lösliches Harz (Novolak) – sein erster Versuch war ein kommerzieller Misserfolg.
Der Durchbruch erforderte eine völlig neue Apparatur (den Bakelizer), weil die übliche Reaktion bei Atmosphärendruck eine schäumende Masse ergab – der Druck war die fehlende Variable.
Die Reaktion selbst war nicht neu (von Baeyer entdeckte sie 1872) – Baekelands Beitrag bestand darin, zu erkennen, dass der Druck und nicht die Chemie das Problem war.
Baekelands erster Schellack-Ersatz scheiterte, weil er die richtige Chemie mit dem falschen Verfahren einsetzte. Der Bakelizer änderte die Bedingungen, nicht die Bestandteile, und schuf den ersten synthetischen Kunststoff.
DEN BELEGEN FOLGEN