L'Officiel wurde 1921 als Pariser Modemagazin gegründet und entwickelte sich zu einem globalen Franchise mit Ausgaben in mehr als 20 Ländern. Im April 2022 verkaufte die Familie Jalou das Unternehmen an AMTD International, eine in Hongkong ansässige Finanzgruppe. Der Kauf hätte für den 101 Jahre alten Titel ein Rettungsanker sein sollen.
Stattdessen behauptete die Familie Jalou im Jahr 2026, AMTD habe Markenrechtsverletzungen, Steuerbetrug und Missbrauch von Gesellschaftsvermögen begangen. The Times berichtete, die neuen Eigentümer hätten „die Publikation betrügerisch zugrunde gerichtet“, und zwar durch ein Finanzkonstrukt, das Geld an Tochtergesellschaften auf den Britischen Jungferninseln und den Kaimaninseln schleuste und das französische Unternehmen ohne Gewinn zurückließ. Die Ausplünderung der Vermögenswerte habe gegen den Sanierungsplan von 2015 verstoßen, der auf die frühere Insolvenz von Éditions Jalou folgte.
Bis 2026 hatten mindestens sieben internationale Ausgaben ihr Erscheinen eingestellt – darunter L'Officiel Brasil, Ukraine, Maroc, Baltic, Austria, Latvia und Liechtenstein. Das Fotoarchiv des Magazins gilt als verschwunden. Die Pariser Justizpolizei eröffnete nach einer Beschwerde aus dem Jahr 2025 ein Ermittlungsverfahren zu den Finanztransaktionen. Die Familie Jalou hatte nicht alle Erlöse aus dem Verkauf von 2022 erhalten; Gelder wurden auf einem Hongkonger Bankkonto eingefroren. Der frühere CEO Benjamin Eymère leitete rechtliche Schritte wegen ungerechtfertigter Kündigung ein.
Der Zusammenbruch führte eine 104 Jahre alte Säule der französischen Modepublizistik innerhalb von vier Jahren von einer familieneigenen Institution zu einem polizeilichen Ermittlungsverfahren. Marie-José Jalou sagte gegenüber der Presse: „L'Officiel war die Modebibel. Ich werde sie niemals aufgeben.“
Die 104 Jahre alte Modebibel wurde von ihren neuen Eigentümern ausgeplündert, mindestens sieben internationale Ausgaben wurden eingestellt und ihr Fotoarchiv gilt als verschwunden.
Die AMTD Group erwarb L'Officiel offenbar ohne die Absicht, das Verlagswesen fortzuführen, und nutzte das Unternehmen stattdessen mutmaßlich als Vehikel zur Ausplünderung von Vermögenswerten über Offshore-Tochtergesellschaften.
Der Sanierungsplan von 2015 untersagte den Verkauf oder die Übertragung des Geschäfts und seiner Marken, doch die neue Eigentümerstruktur über ausländische Gesellschaften umging diese Beschränkungen.
Mehrere internationale Ausgaben arbeiteten mit knappen Lizenzmargen und wurden als erste eingestellt, als die Muttergesellschaft aufhörte, sie zu unterstützen.
Die eingefrorenen Verkaufserlöse in Hongkong und die fehlenden Archive deuten auf ein systemisches Finanzmissmanagement hin, das die französische Gesellschaft ohne Ressourcen zurückließ, um den Betrieb fortzuführen.
Eine jahrhundertealte Marke, die ohne operatives Engagement an einen Finanzkäufer verkauft wird, ist weniger wert als die Immobilien, die sie besitzt. Die Interessen des Käufers sind nicht das Überleben des Magazins.
Die Fotoarchive von L'Officiel gelten Stand 2026 weiterhin als verschwunden. Die Ermittlungen der Pariser Polizei dauern an. Die Familie Jalou setzt ihre rechtlichen Schritte gegen AMTD fort. Die Marke existiert dem Namen nach, hat aber die meisten ihrer internationalen Ausgaben und ihre finanzielle Grundlage verloren.
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