Anfang September 2021 twitterte John Gibson, Präsident des Spielestudios Tripwire Interactive, er sei „stolz“ darauf, dass der Oberste Gerichtshof der USA das texanische Gesetz bestätigt habe, das Abtreibungen ab etwa der sechsten Woche verbietet, und bezeichnete sich selbst als „Pro-Life-Spieleentwickler“. Tripwire entwickelte Man Eater und veröffentlichte Chivalry 2.
Der Tweet erhielt fast 13.000 Antworten. Einzelne Spieler riefen zum Boykott auf, teilten Möglichkeiten, die Spiele von Tripwire im Steam-Store auszublenden, oder spendeten in Gibsons Namen an Frauenhilfsorganisationen. Shipwright Studios, ein Auftragsstudio, das zu einigen Tripwire-Spielen beigetragen hatte, erklärte, es beende eine dreijährige Beziehung und werde damit beginnen, seine bestehenden Verträge zu kündigen. Torn Banner Studios, die Entwickler von Chivalry 2, erklärten, die Haltung werde von ihrem Team nicht geteilt.
Zwei Tage nach dem Tweet gab Tripwire bekannt, dass Gibson mit sofortiger Wirkung „zurückgetreten“ sei. Das Unternehmen erklärte, seine Äußerungen seien seine eigenen gewesen und hätten „die Werte unseres gesamten Teams, unserer Partner und eines großen Teils unserer weiteren Community missachtet“. Mitgründer und Vizepräsident Alan Wilson wurde interimistischer Chief Executive.
Ein Partnerstudio kündigte eine dreijährige Beziehung und seine Verträge; Gibson trat zurück; Spieler riefen zum Boykott auf. Es werden keine finanziellen Zahlen genannt.
Der Präsident veröffentlichte unter seinem eigenen Titel eine polarisierende politische Position, sodass sein Arbeitgeber und dessen Partner in die Auseinandersetzung hineingezogen wurden.
Tripwire war auf externe Studios angewiesen, darunter ein Auftragsstudio und die Entwickler von Chivalry 2, die sich öffentlich distanzieren konnten.
Die Partner distanzierten sich schnell und öffentlich, was der Führungsebene kaum eine andere Möglichkeit ließ, als ihren Präsidenten zu entfernen.
Ein persönlicher Beitrag einer Führungskraft wird als der des Unternehmens gelesen. Partner und Auftragnehmer können sich öffentlich schneller abwenden, als das Unternehmen reagieren kann.
Tripwire ernannte Alan Wilson zum interimistischen CEO und versprach, verbleibende Anliegen von Mitarbeitern und externen Partnern anzuhören. Der Artikel berichtet weder über Auswirkungen auf den Absatz noch darüber, ob die Vertragskündigungen von Shipwright Studios vollständig vollzogen wurden.
DEN BELEGEN FOLGEN
Die Quellen
- Tripwire boss steps down over support for Texas abortion law BBC News · bbc.com ·